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National Geographic – Die beste Fotoreportage des Jahres 2023

Einige von euch haben es schon mitbekommen, meine Fotos aus dem Pantanal, aufgenommen im Sommer 2023, wurden von National Geographic Deutschland zur Fotoreportage des Jahres 2023 gewählt – eine Auszeichnung, auf die ich unglaublich stolz bin.

In diesem Blogbeitrag erfahrt ihr die Geschichten hinter den Fotos.

Das Pantanal – Südamerikas Wildlifeparadies

Ich war bereits dreimal in Südamerika, doch war es mir nie gelungen, einen wilden Jaguar zu sehen und auch einen Riesenseeotter hatte ich nur einmal im peruanischen Dschungel von Weitem erblicken können. Da das Pantanal die besten Chancen weltweit auf eine Jaguarsichtung bietet und Riesenseeottersichtungen fast schon garantiert, hatte ich mich entschieden, es dort zu probieren – und, so viel sei vorweggenommen, diese Entscheidung nicht bereut.

Das Pantanal ist ein riesiges Feuchtgebiet von der Größe Frankreichs. Nach langer Recherche stand für mich fest, dass das nördliche Pantanal weniger touristisch ist und die Gegend um Porto Jofre, einem kleinen Örtchen am Rio Sao Laurenco, die wohl größte Jaguardichte weltweit aufweist.

Jaguarsichtungen werden vom Wasser aus gemacht. Man fährt in einem kleinen Motorboot den Fluss hoch und runter und hofft darauf, eine der Raubkatzen zu sehen, doch das ist leichter gesagt als getan.

Die Jaguarsafari - Risiko wird belohnt

Jaguare sind zwar auffällig gefleckt, doch im Licht- und Schattenspiel der dichten Vegetation bietet ihr Fell eine hervorragende Tarnung und es ist wirklich nicht einfach, die großen Katzen vom fahrenden Boot aus zu erblicken. Um meine Chancen zu maximieren stand ich ist die größte Zeit der Safari auf dem fahrenden Boot, um auch weiter nach hinten in das hohe Gras hinein schauen zu können – ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen, denn ein Fall ins Wasser würde angesichts der Piranhas, Kaimane und anderem Getier nicht so gut enden.

Eine weitere Schwierigkeit stellen die Boote der anderen Touristen und Fotografen dar. Jedes Boot verfügt über ein Funkgerät und sobald ein Jaguar entdeckt wird, muss der Bootsführer dies per Funk an die anderen Boote mitteilen. Das bedeutet, dass innerhalb von Minuten Boote aus allen Richtungen angefahren kommen, was erstens die Tiere nervös macht und, wie auch selbst erlebt, zum Rückzug zwingt, und zweitens das Fotografieren unglaublich schwierig macht, weil durch die heranfahrenden Boote Wellengang erzeugt wird und man das Motiv kaum noch im Sucher behalten kann. Außerdem schieben sich immer wieder andere Boote vor das eigene, sodass die Sicht zum Tier verdeckt wird – für einen Fotografen ein absoluter Albtraum.

So sieht eine typische Jaguarischtung aus der zweiten Reihe aus.
Der gleiche Jaguar im richtigen Moment fotografiert.

Um den anderen Booten aus dem Weg zu gehen, entschlossen wir uns, voll ins Risiko zu gehen und ohne ein Funkgerät zu fahren. Wir konnten uns also nicht darauf verlassen, dass ein anderes Boot einen Jaguar entdecken und uns rufen würde und mussten „unseren eigenen“ Jaguar entdecken. Dafür müssten wir das niemandem melden und hätten die Möglichkeit, das Tier ungestört zu beobachten und zu fotografieren.

Die Idee schien aufzugehen, denn wir entdeckten einige Jaguare und konnten zumindest zu Beginn einige Minuten Zeit alleine mit ihnen verbringen. Doch jedes Mal fuhr ein anderes Boot an uns vorbei, sah uns am Ufer stehen, hielt neben uns, erblickte den Jaguar und meldete es an die anderen Boote, die kurze Zeit später angerast kamen. Ein negativer Höhepunkt war dabei die Entdeckung des unten abgebildeten Jaguars am dritten und letzten Tag auf dem Wasser. Dieser Jaguar war gute 15 Meter von uns entfernt im hohen Gras und machte Anstalten, jagen zu gehen. Ich stand mit der Kamera im Anschlag bereit und überlegte nur, wie ich ihn am besten ablichten könnte. Doch daraus wurde nichts, neben uns legte ein Boot an und rief Verstärkung. Kurze Zeit später waren insgesamt gute sechs Boote um uns herum. In einem davon saßen obendrein kleine Kinder, die natürlich nicht die nötige Geduld hatten und zu quengeln und schreien anfingen. Dies machte den jungen Jaguar noch nervöser als er ohnehin schon war und er verzog sich ins Dickicht.

Dieser Jaguar wurde von lärmenden Touristen gestört und verzog sich ins Dickicht.

Unsere Stimmung war auf dem Tiefpunkt, war dies doch unser letzter Tag und wir hatten schon einige weitere Jaguare wegen anderer Touristen „verloren“. Das tolle am Pantanal ist aber, dass jederzeit die verrücktesten Dinge passieren können, wichtig ist es nur, dafür bereit zu sein und sich nicht ablenken oder entmutigen zu lassen. Ich hatte also weiter meine Kamera im Anschlag und stand weiterhin im fahrenden Boot und suchte die mit meinen Augen die Umgebung nach weiteren Jaguaren.

Keine 10 Minuten später biegen wir um eine Flusskurve und ich erblicke einen ziemlich großen auf dem Sand liegenden, und sich sonnenden Kaiman. Mir kommt der Gedanke, dass er wohl eine ziemlich fette Beute für einen Jaguar wäre und in diesem Moment ruft Simon, der weiter vorne im Boot sitzt „Jaguar im Wasser! Jaguar im Wasser!“. Ich schaue in nach vorn und sehe, wie ein Jaguar den Fluss schwimmend in Richtung des Kaimans überquert. Sofort werfe mich auf den Boden des Bootes, um das Tier auf Augenhöhe zu fotografieren, während der Jaguar keine 2 Meter von uns entfernt wie ein Blitz durch das flache Wasser ans vorbei auf den Kaiman stürmt und uns dabei nass spritzt. Kleine Fische springen voller Panik in unser Boot, was ich jedoch erst viel später bemerke.

Verzweifelt versucht der Kaiman ins tiefe Wasser zu flüchten, doch der Jaguar hat sich bereits am Kopf des großen Reptils festgebissen und lässt nicht los, obwohl der Kaiman mehrmals versucht, sich mittels seiner „Todesrolle“ zu befreien. Der Kampf dauert gute zwei Minuten, und findet über und unter Wasser statt. Ich bin die ganze Zeit mit der Kamera dabei und versuche alles einzufangen, muss aber aufpassen, dass mein Kameraspeicher nicht voll wird und ich nicht weiter fotografieren kann. Auch die Lichtverhältnisse sind wegen der hoch stehenden Sonne und des reflektierenden Wassers unglaublich schwierig, aber ich gebe alles.

Der Kampf findet sowohl über als auch unter Wasser statt.

Nach einiger Zeit wuchtet der Jaguar den Kaiman aus dem Wasser, obwohl dieser weit über 100kg wiegen muss. Am Ufer beißt der Jäger seine Beute in die weiche, nicht gepanzerte Stelle am Hals bis das Leben aus dem Kaiman entweicht. Als dieser schlussendlich stirbt, merken wir, wie erschöpft der Jaguar eigentlich ist. Er ist völlig ausgepumpt und kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Er ruht kurz neben seiner Beute und beginnt anschließend, sie die Böschung hinauf zu schleppen, um sie im hohen dichten Gras zu verspeisen. Dabei müht er sich Meter um Meter hoch, und man merkt, wie schwer das Reptil sein muss. Irgendwann ist er im hohen Gras vollkommen verschwunden und wir bleiben sprachlos zurück von dem, was wir gerade erleben durften.

Der Jaguar zieht den Kaiman aus dem Wasser.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, welch unglaubliches Glück wir hatten. Einen Jaguar im Kampf mit einem Kaiman zu sehen ist ein sehr sehr seltenes Erlebnis. Vor dem Urlaub schaute ich mir, quasi als Einstimmung, eine Doku über das Pantanal an und darin wurde gezeigt, wie zwei professionelle Tierfilmer Jaguare bei der Jagd zu filmen versuchten. Die beiden waren über drei Monate täglich 8 bis 10 Stunden auf dem Wasser und dennoch hatten sie kein Glück – die Aufnahmen waren ihnen nicht gelungen. Welch unfassbares Glück musste ich also haben, das, was die Tierfilmer in drei Monaten nicht geschafft hatten, innerhalb von drei Tagen zu sehen. Doch auch das ist noch nicht alles. Von der ersten bis zur letzten Minute waren wir das einzige Boot vor Ort. Kein anderes kam zufällig vorbei und störte uns, oder die Tiere. Das ist auch der Grund, weshalb ich Fotos schießen konnte, in denen der Jaguar direkt in meine Kamera schaut – sie war ja auch die einzige vor Ort. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie unglaublich verärgert und enttäuscht ich gewesen wäre, wenn ein anderes Boot im entscheidenden Moment vorbeigekommen und entweder die Tiere gestört, mir die freie Sichtbahn verdeckt, oder den Blick des Jaguars von mir weg auf sich gezogen hätte.

Wir sind das einzige Boot vor Ort und der Jaguar schaut direkt in meine Kamera. Diesen Moment werde ich mein Leben lang nicht vergessen.

Insgesamt hatten wir an drei Tagen ganze 10 Jaguarsichtungen, 2 am ersten Tag, 2 am zweiten Tag und ganze 6 am letzten Tag. Ich könnte noch viel mehr über den Wettbewerb der Fotografen und Bootsfahrer schreiben, über die besten Strategien zur Sichtung usw. aber das würde den Rahmen dieses auch so schon sehr langen Eintrags sprengen. Falls du eine Reise ins Pantanal planst, schreibe mir einfach eine Nachricht und ich gebe dir ein paar Tipps.

Weitere Spezies

Natürlich habe ich abseits der Jaguare auch eine unglaubliche Vielzahl anderer Arten sehen können, darunter mehrere Familien Riesenseeotter. Leider respektieren viele Bootsführer die Tiere nicht, um ihren Touristen ein möglichst „tolles“ Handyfoto zu ermöglichen und fahren viel zu nah an die Tiere heran. Das Ergebnis ist dann ein verscheuchtes Tier und ein verwackeltes Handyfoto von schräg oben, das man sich weder aufhängen, noch irgendwann einmal ansehen wird.

Neben Riesenseeottern waren natürlich auch Kaimane stark präsent, und zwar sowohl lebendige, als auch tote, am Strand liegend, oder im Wasser treibend. Letztere wurden von Scharen von Geiern geradezu belagert. Geier sind übrigens, ihrer schwarzen Köpfe wegen, sehr schwierig zu fotografieren, denn wenn man stark genug überbelichtet, um die Köpfe richtig zu belichten, werden andere Stellen im Bild komplett weiß. Hier muss der Fotograf wirklich die Balance finden, was gar nicht so einfach ist, denn für viele Bilder hat man nur einen einzigen Versuch.

Eine weitere markante Spezies sind Capybaras, auch Wasserschweine genannt. Diese sahen wir recht häufig, doch sind sie wegen ihres braunen Fells gar nicht so einfach zu fotografieren, da der Lehm, auf dem man die Tiere häufig sieht, eine ähnliche Farbe aufweist, wie sie selbst, was dazu führt, dass  das Motiv kaum von dem Hintergrund unterscheiden kann. Ich suchte also immer wieder nach Hintergründen in anderen Farben, um eindrucksvolle Bilder einzufangen.

Zuletzt möchte ich auch die unglaublich Dichte an Vögeln erwähnen, darunter diverse Arten von Reihern, Eisvögeln und Greifvögeln. Ich hätte gerne mehr Zeit gehabt, um all diese Arten fotografisch interessant einzufangen, doch war es ein ständiger Balanceakt im Zeitmanagement, denn jede mit Vogelfotografie verbrachte Minute war eine Minute weniger, in der man einen Jaguar fotografieren konnte. Ich beschränkte mich also auf einige wenige Aufnahmen bei besonders günstigen Lichtverhältnissen, oder besonderem Verhalten, z.B. der Jagd.

Künstlerische und weniger dokumentarische Porträts.
Die tiefe Sonne erzeugt einen dunklen Hintergrund, vor dem das weiße Gefieder des Reihers noch eindrucksvoller wirkt.
Ein Cocoireiher bei der Jagd.

Den Artikel von National Geographic findet ihr hier und hier ist der Link zu den Gewinnerbildern.

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