Grimm Realities
Mit Grimm Realities erzähle ich sieben Märchen der Brüder Grimm neu und versetze sie in unsere heutige Welt – in ganz normale Orte wie Wohnungen, Garagen oder Campingplätze.
Ich arbeite mit bekannten Märchensymbolen, interpretiere sie neu und stelle so die Frage, wie ein „glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ heute überhaupt noch aussehen kann – in einer Welt, die von Algorithmen, Konsum und neuen Rollenbildern geprägt ist. An die Stelle von Magie und Mondlicht treten Technologie und Neonlicht, aber der Kern der Geschichten, menschliche Gefühle und Triebe wie Sehnsucht, Gier, Eifersucht oder Liebe, bleiben unverändert.
Alle Fotografien sind von mir inszeniert, an Originalschauplätzen aufgenommenm, mit echten Requisiten umgesetzt und werden als großformatige Fine Art – Drucke präsentiert.
Diese Inszenierung kehrt die Werte des ursprünglichen Märchens um. Schneewittchen erscheint nicht länger als unschuldig oder naiv, sondern als selbstbestimmtes Online-Model. Ihre sieben Helfer werden dabei zu Allegorien der sieben Todsünden.
Aschenputtel lässt den Prinzen und seinen weißen Schimmel stehen. Statt darauf zu warten, gerettet zu werden, schreibt sie ihre Geschichte selbst und regelt ihr Liebesleben nach ihren eigenen Regeln.
„Scrolling Beauty“ verlegt Dornröschen in die Gegenwart. An die Stelle des märchenhaften Zauberschlafs tritt eine digitale Betäubung: Die gesamte Hausparty ist in den Bildschirmen ihrer Geräte gefangen. Erst ein Pizzabote – die zeitgenössische Figur des Prinzen – durchbricht diesen Zustand und holt sie zurück in die Wirklichkeit.
Das ursprüngliche Märchen lässt offen, warum Rumpelstilzchen das Kind der Königin fordert. „Rumpelstizki Baby Broker“ greift genau diese Leerstelle auf und übersetzt sie in einen düsteren Garagendeal, inszeniert wie die Aufnahme aus einer Überwachungskamera.
Statt Rapunzel vor der Außenwelt zu verstecken, exponiert die Zauberin sie aus Profitgier. Umgeben von Männern, deren Begehren den Raum bestimmt, wird Rapunzel zugleich Inszenierung und Ware.
Rotkäppchen und der Wolf verbünden sich, um die Großmutter zu täuschen und auszurauben. Der Jäger ist nicht länger da, um sie zu retten; von ihm bleibt nur noch ein düsteres Porträt an der Wand.
Geschichte wird von den Siegern geschrieben – in diesem Fall von den Bremer Stadtmusikanten, denen zugeschrieben wird, Räuber aus einem Haus vertrieben zu haben. Doch was, wenn die Stadtmusikanten selbst die Räuber waren? Ich inszeniere das Märchen als Home Invasion – Szene neu: Eine junge Familie wird von vier maskierten Eindringlingen überfallen.

